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Essen und Einladungen

Eine der häufigsten Fragen, welche in Japan gestellt wird, ist:                                           
Mögen Sie japanisches Essen? Viele Japaner sind sehr stolz auf die japanische Küche und werden jede negative Äußerung als tiefe Beleidigung empfinden. Da weiterhin Essen als wesentlicher Teil der japanischen Kultur betrachtet wird, ist eine gewisse Zurückhaltung bei diesem Thema doch mehr als angebracht.
Nach drei Jahren in Japan hat man sich – so glaube ich – doch soweit an das japanische Essen gewöhnt, daß es nur mehr vereinzelt zu Problemen mit den zumeist bei Einladungen dargebotenen Delikatessen kommt. Falls man eine Speise einmal nicht erkennt, sollte man lieber nicht fragen, um was es sich dabei handelt, da es sein könnte, daß die Antwort einen doch appetithemmenden Effekt ausübt. Walfischfleisch, rohe Babytintenfische und sehr frischer – und ich meine wirklich extrem frischer – roher Fisch sind vielleicht nicht unbedingt etwas für an Münchner Weißwürste und rheinischen Sauerbraten gewohnte mitteleuropäische Mägen.                                              
Eine Grundvoraussetzung für einen längeren Aufenthalt in Japan ist jedoch, meiner Meinung nach, daß man keine unüberwindliche Abneigung gegen Fisch haben sollte, da z. B. das traditionelle japanische Gericht aus 5 verschiedenen Gängen Fisch – unterschiedlich zubereitet – besteht. Eine dazu gereichte Suppe – mit Fischeinlage – sowie ein Dessert, mit auch recht intensivem Fischgeschmack, vervollständigt das Menü. Den zu jeder japanischen Mahlzeit gebotenen Reis sollte man möglichst vollständig verzehren, da es als unhöflich gilt, etwas zurückgelassen zu haben.                                              
Selbstverständlich gibt es auch verschiedenste Fleischgerichte in der japanischen Küche, wovon Sukiyaki und Shabu-Shabu wohl die bekanntesten sind.
Auffallend war für mich, daß doch ein großer Prozentsatz der japanischen Gerichte kalt serviert wird, was dann auch die mangelhafte Ausrüstung der japanischen Küche verständlich macht.                                              
Das wohl verbreiteste Gericht in Japan ist Sushi. Es handelt sich dabei um angesäuerten Reis, welcher zusammen mit rohem Fisch, Gemüse oder, eingewickelt in Seetang, in kleinen Happen serviert wird, Doch auch Nudelgerichte sind weitverbreitet und werden vornehmlich an Bahnhofsständen mit lautem Schlürfen verzehrt. Die Tischsitten der Japaner weichen doch sehr sehr von den üblichen mitteleuropäischen Maßstäben ab und rufen manchmal Erstaunen bei Besuchern hervor. Die Fähigkeit eines Ausländers, mit Stäbchen zu essen, wird oftmals ungläubig zur Kenntnis genommen. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man die akrobatischen und gefährlichen Kunststücke sieht, welche manche Japaner mit westlichem Besteck aufführen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang noch etwas eingehender auf die Einladungen eingehen, welche in Japan einen sehr hohen Stellenwert für eine gute Geschäftsbeziehung besitzen. Wenn ich es einmal überschlage, so habe ich doch einen großen Teil aller wichtigen Informationen bei solchen Einladungen erhalten. Ob es sich nun um Verhaltensregeln für bestimmte Situationen, um Entwicklungen bei zukünftigen Programmen oder um Tendenzen in der Geschäfts-Hierarchie handelte, meist fanden solche Gespräche bei einer Einladung statt. Diese Einladungen werden nicht nur für Gäste durchgeführt, sondern auch z. B, seitens eines Gruppenleiters für die Angehörigen der Gruppe. Bei Sake und Shochu wird auch der Jüngste der Gruppe seine Scheu etwas ablegen und seine Meinung zum besten geben. Einen extrem nachteiligen Effekt hat es, wenn man speziell als ausländischer Gast solche Einladungen nicht erwidert. 
Die Kosten, welche z. B. bei einer offiziellen Einladung anfallen, sind enorm. Im Schnitt rechnet man für ein japanisches Diner in einem privaten Restaurant mit etwa 300 – 400 DM pro Person. Hierbei ist eine Bedienung und Unterhaltung durch Geishas natürlich nicht eingeschlossen und würde mit etwa 1.000 DM/Stunde zu Buche schlagen. All dies macht verständlich, daß solche Einladungen nur für ausgewählte Gäste durchgeführt werden. Eine erwähnenswerte Eigenschaft solcher Einladungen ist auch, daß sie zeitlich befristet sind. üblicherwelse bringt der Gastgeber nach 2 Stunden einen Toast aus und fordert die Gäste unmißverständlich auf, das Lokal zu verlassen. Aber auch bei vielen Einladungen bei uns zu Hause standen die Gäste nach meist 2 Stunden auf und verabschiedeten sich.                                              
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Gastfreundschaft der Japaner wirklich sehr groß ist. Dies haben wir auch während unserer Reisen durch Japan immer wieder aufs Neue erfahren dürfen. Es scheint mir jedoch wichtig zu erwähnen, daß viele der Japaner das gleiche auf ihren Reisen von ihren ausländischen Geschäftspartnern erwarten und oftmals wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn man sie in eine Kantine einlädt.

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