Klima

Die japanischen Hauptinseln erstrecken sich von etwa 45° Nord, was der Höhe von Mailand entspricht, bis etwa 31° Nord, was etwa der Höhe von Kairo entspricht. Durch diese große Nord-Süd-Ausdehnung ist das Klima in den einzelnen Landesteilen sehr unterschiedlich. Während auf der Nordinsel Hokkaido im Winter Temperaturen bis – 30° C keine Seltenheit sind, ist auf der Südinsel Kyushu Schnee praktisch unbekannt. Im Großraum Tokyo herrscht feucht-warmes gemäßigtes Klima mit etwa der 3-fachen Niederschlagsmenge wie in Frankfurt                                                      
Obwohl der Winter an der Pazifikküste relativ niederschlagsarm und nicht allzu kalt ist, wobei Tiefsttemperaturen von – 5° C üblich sind, habe ich noch nie in meinem Leben so gefroren wie in Japan. Schlecht isolierte Häuser, unzureichende Heizung und die doch immer recht hohe Luftfeuchtigkeit lassen – 5° C recht unangenehm erscheinen. In den Wintermonaten war es meist notwendig, auch in der Wohnung warme Pullover, dicke Socken und manchmal auch Handschuhe zu tragen.
Das Frühjahr, welches Ende Februar beginnt, ist wohl eine der schönsten Jahreszeiten in Japan, auch wenn man die berühmte Kirschblüte, welche jedoch nur ein paar Tage dauert, nicht berücksichtigt. Tagsüber herrscht meist Sonnenschein – zumindest an der Pazifikküste – wenngleich es nicht übermäßig warm ist. Speziell die Abende sind kühl und lassen es angeraten sein, sich warm anzuziehen                                                       
Das Frühjahr wird im Juni durch eine etwa vierwöchige Regenzeit beendet, welche durch langanhaltenden und relativ starken Regen das Land überschwemmt. Bei Temperaturen um 15° C und extremen Luftfeuchtigkeiten, ist es schwierig, sich zu entscheiden, ob man die Heizung oder die Klimaanlage zum Trocknen der Luft einschalten soll. Es gab Zeiten, wo beide bei uns gleichzeitig in Betrieb waren.
Mitte Juli, nach dem offiziell bekanntgegebenen Ende der Regenzeit, wird man mit einem weiteren extremen Klima konfrontiert. Der feuchtheiße Sommer bringt Luftfeuchtigkeiten von bis zu 95 % und Temperaturen von weit über 30° C. Dabei kommt man auch ohne große Anstrengung ins Schwitzen                                                       
Der Sommer ist auch die Zeit des aussichtslosen Kampfes gegen den Schimmel, welcher nur durch den dauernden Gebrauch von Klimaanlagen verhindert werden kann. Alle natürlichen Stoffe, von Leder über Wolle bis hin zum Papier, beginnen nach kurzer Zeit zu modern und zu schimmeln. Schuhe mit grün-grauem Belag müssen immer wieder mit schärfsten Mitteln behandelt werden. Eine leichtsinnigerweise mitgenommene Ledersitzgruppe werde ich wohl nicht mehr auf einer Ausstellung zeigen können.
Bereits im Juli/August erscheinen auf der Wetterkarte dann die ersten Taifune und nähern sich im August und September mehr und mehr dem japanischen Archipel. Während die mit den Taifunen verbundenen Stürme zwar recht ansehnlich, jedoch nicht zum Fürchten sind, so hat der damit verbundene Regen jedoch Ausmaße, die man sich als Mitteleuropäer kaum mehr vorstellen kann. Ich erinnere mich an eine Niederschlagsmenge von 1 m innerhalb eines Tages, welche 1985 nahe des Mount Fuji gemessen wurde. Glücklicherweise sind im Ibaraki-Ken dergleichen Naturkatastrophen relativ selten.
Der Herbst zählt in Japan zu den angenehmen Jahreszeiten mit viel Sonne und einer teilweise unwirklichen Laubfärbung. Während es tagsüber warm und meist niederschlagsfrei ist, sind die recht kurzen Abende kühl und feucht                                                      
Auch bezüglich Erdbeben ist das Ibaraki-Ken eine bevorzugte Provinz. Es gibt zwar jede Menge von Erdbeben – man spricht von 2.000 meßbaren Erdbeben pro Jahr – jedoch sind die meisten doch geringerer Intensität. Während einen die ersten Erdbeben noch in Angst und Schrecken versetzen, gewöhnt man sich doch nach und nach an diese Naturereignisse.
Es gab während der insgesamt 3 Jahre nur ein Erdbeben, bei dem ich die Türen der Schränke zuhalten mußte. In Tokyo dagegen ist mit einem großen Erdbeben etwa alle 60 Jahre zu rechen. Das letzte war übrigens 1923
Wer jemals ein Erdbeben in einem der oberen Stockwerke eines Hochhauses miterlebte, wird sicher mit mir dahingehend übereinstimmen, daß dies keine angenehme Erfahrung darstellt.

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